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Ahmed Yasin – Kunstunterricht aus Syrien

Erstellt am 2. Juni 2016 von Orly Goldenberg.
Kategorie: Keine

Und irgendwie komme ich doch nicht weg von dieser Schule…

Mein Name ist Orly Goldenberg, ich bin 19 Jahre alt und habe im Jahr 2015 mein Abitur an dem Sophie-Charlotte-Gymnasium absolviert. Wie bei den meisten war es bei mir dann auch: und was nun? Weder ein Auslandsjahr, noch ein Studium kamen für mich zu diesem Zeitpunkt in Frage.

Im Sommer fing dann die Flüchtlingskrise an. Alle mögliche Medienplattformen waren überfüllt mit dem Thema Flüchtlinge. Irgendwann habe ich einfach die Initiative ergriffen und mich als Russisch Dolmetscherin in der Notunterkunft des ehemaligen Rathaus Wilmersdorf gemeldet. Und auch nach mittlerweile neun Monaten bin ich immer noch mit Herzblut bei meiner ehrenamtlichen Tätigkeit dabei.

Wie man so schön sagt: „ Man sieht sich immer zweimal im Leben“ – genauso kam es dann auch.

Über eine Freundin stellte sich der Kontakt zu Herrn Daling und Frau Wigand her. Ich erzählte ihnen von einem unserer Bewohner Ahmed Yasin. Er ist 32 Jahre alt, kommt aus Aleppo und von Beruf Kunstlehrer und Journalist. Aufgrund des Krieges und der lebensbedrohlichen Lage in Syrien musste Ahmed die Flucht ergreifen.

Sein letzter Kunstunterricht ist bereits 4 Jahre her, und somit war die Freude umso größer, wieder unterrichten zu können.

Am 23.05.16 war es dann soweit und Ahmed gab in einer Doppelstunde dem Kunstkurs von Frau Wiegand Unterricht. Zwar ist Ahmed ein fleißiger Deutschschüler, jedoch wurde er sprachlich unterstützt durch den Dolmetscher Amir Nekroumi, Schüler des 2. Semesters, welcher arabisch übersetzte.

Amir widmete sich auch außerhalb der Schule diesem Kunstprojekt, wofür ich ihm sehr dankbar bin.

Das Thema des Unterrichts war die Ornamentik. Jede/r Schüler/in hatte die Aufgabe, auf einem weißen Quadrat ein kreatives Ornament zu gestalten. Das Blatt wurde in der Mitte einmal gefaltet und schon konnte man seiner Kreativität freien Lauf lassen. Ahmed gab den Schülerinnen und Schülern vor, mit geschwungenen Linien zu arbeiten, sodass mehr Dynamik entstehe. Angehaucht sind die Ideenmuster übrigens aus der Pflanzenwelt.

Wenn die eine Hälfte nun mit Bleistift fertig gezeichnet wurde, gab es nun zwei Möglichkeiten. Entweder man nahm eine Münze und drückte die Farbe des Bleistiftes auf die andere Hälfte ab, oder man pauste am Fenster ab. So entwarf alle mit vielen kleinen Details wunderschöne Ornamente.

 

Dank der positiven Resonanz wird sich Ahmed in der nächsten Kunststunde mit den Schülerinnen und Schülern, der farblichen Gestaltung der Ornamente widmen.

Eventuell wird dieses Projekt noch auf Fliesen realisiert, was jedoch zum derzeitigen Zeitpunkt finanziell geregelt werden muss.

Bis hier hin möchte ich mich erst einmal bei Herrn Daling und Frau Wigand bedanken. Sie haben Ahmed einen unvergesslichen Tag ermöglicht und ihm ein Licht ins Dunkeln gebracht. Er ist vom tiefsten Herzen dankbar, so eine Möglichkeit zu bekommen.

Ebenfalls ein großes Dankeschön an Amir – ohne dich wüsste ich nicht, wie wir manche Sprachbarrieren überbrücken könnten.

Zu guter Letzt vielen Dank an den Kunstkurs für eure Offenheit gegenüber Ahmed und eure fleißige Arbeit.

Ich hoffe noch auf viele weitere Projekte in der Schule, denn irgendwie ist es doch schön, wenn man auch nach der Schulzeit Kontakte zu ehemaligen Lehrern und Schülern hat.